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Dunkle Visionen

Dark Visions

Ich glaube nicht, dass man sich um Kopf und Kragen redet, wenn man speziellere Themen anspricht. Wenn es um sexuelle Neigungen geht, geht meistens ein Flüstern oder Kichern durch die Runde, ist das in unserer heutigen, ach so aufgeklärten Gesellschaft immer noch so ein Tabuthema, das nur hinter vorgehaltener Hand belächelt wird. Was ist los mit den lockeren Deutschen, ihr wisst doch schon längst, das der Storch nicht unseren Nachwuchs bringt. Sexuelle Fantasien haben wir doch alle ohne Ende, aus meiner Sicht sind wir auch hier Weltmeister, gar keine Frage. Wir sind aber keine Weltmeister, wenn es um die Toleranz, in puncto ausgefallener Neigungen oder gar gleichgeschlechtlicher Beziehungen geht, was dieses Thema angeht, sind wir definitiv ein Entwicklungsland ohne Podiumsplatz.
Ich habe in einem früheren Artikel mal das Thema „BDSM“ angeschnitten, wo es um ein extrem hochgehyptes Filmchen mit Augenbinden, Handschellen und Peitsche ging, dazu noch eine graue Maus vom Lande und natürlich, wie sollte es auch anders sein, ein gut angezogener Typ mit jeder Menge Kohle auf der Tasche. Meiner Meinung nach ist dieser Film völlig neben der Spur, weil es in dieser Story irgendwie nicht um Einvernehmlichkeit in einer perfekt funktionierenden Beziehung geht, sondern vielmehr um das Ausnutzen einer anfänglichen Verliebtheit der kleinen grauen Maus. Sie hat die vermeintlichen Spielchen, die im Übrigen von dem größten Teil unserer Mitmenschen als Krankhaft und Böse eingestuft wird, nur mitgemacht, weil sie ihren ach so geliebten Mr. X nicht verlieren wollte. Das was ich diesem Film als positive Beigabe anrechnen kann ist, das er das Thema BDSM aus den dunklen Keller den so manch einer in seinem Kopf hat, ans Tageslicht geholt hat. Es wird über was gesprochen, was es eigentlich gar nicht geben dürfte, muahhhhh ich krieg echt Angst. Wenn diese Praktiken doch so Frauenverachtend und erniedrigend sind, wieso rennen dann 1,35 Millionen Zuschauer in Deutschland am Startwochenende in die Kinos um sich so ein Werk anzusehen und nicht zu vergessen die beiden Folgeteile, ich bin verwirrt.
Aus meiner Sicht geht es in einer solchen Beziehung um ein bewusstes Ausleben von Dominanz und Unterwürfigkeit, wobei beide Parts, sowohl vom Mann als auch von der Frau übernommen werden kann, auch hier findet jeder Topf seinen Deckel. Es wird niemand zu irgend etwas gezwungen, was er nicht will, denn das Ganze beruht auf blindem Vertrauen, was wiederum die Basis für eine Spielbeziehung oder feste Partnerschaft bildet, ohne das geht gar nichts.
Viele Paare, die ein ganz „normales“ Sexleben führen und dann noch der Meinung sind, das die, die der Lust an einer Peitsch frönen nicht normal sind, sollten sich als Erstes selbst an ihre eigene Nase fassen und in einem stillen Moment mal in sich gehen. Ich glaube, dass es kaum jemand gibt, der seinem Partner in seiner sexuellen Erregung, nicht irgendwie mal einen Klaps auf den Hintern gegeben hat, oder gar seine Fingernägel in den Rücken des anderen gedrückt hat. Mh, lass mich mal nachdenken, hat das nicht auch was mit Schmerz und Lust zu tun. Jop, das hat es und viele tun es ganz unbewusst und genießen es trotzdem ohne über dieses Verhalten nachzudenken. Es ist ein schmaler Grat zwischen normal und sagen wir mal unnormal und siehe da, ihr bewegt euch auf ganz dünnem Eis. Was habt ihr getan, seid ihr krank, oder hattet ihr einfach nur Spaß ohne nachzudenken. Spaß ist vielleicht ein gutes Stichwort, dazu eine Prise Toleranz und schon kann man auch die Freuden anderer Menschen in einem neuen Licht sehen, der Blickwinkel macht es aus.
Liegt nicht der Reiz im Verbotenen oder Unbekannten, selbst in der Bibel haben Adam und Eva von der verbotenen Frucht genascht, nachdem Eva von der Schlange dazu verführt wurde und das nicht, weil sie Hunger hatte, sondern weil sie diesem gewissen Reiz nicht widerstehen konnten, den Reiz etwas Neues auszuprobieren.

 

***Dunkle Visionen***

Dunkle Visionen
leiten dein Handeln
gefesselt im Netz
aus trauter Zweisamkeit
die Seelen verbunden
wie deine Augen

Knistern in der Luft
der Puls außer Kontrolle
dominantes Handeln
bestimmt den Takt
des sinnlichen Leidens

Nehmen und geben
gehorchen und befehlen
völlige Hingabe ohne Tabus
dem Alltag entfliehen

Alles kann
nichts muss
aber eines ist wichtig
der Genuss

©*VEB*

2 Kommentare

  1. Birgit sagt

    Vertrauen, Achtung und Respekt voreinander, ohne das geht es nicht. Da ist es gleich ob wir in einer Vanilla oder BDSM Beziehung Leben.
    Wichtig ist doch das geniessen, bei dem was man macht. Die Fantasie spielt hierbei eine große Rolle, wobei ich behaupten möchte, das diese bei Frauen ausgeprägter ist. Was der große Teil bestimmt nicht zugeben wird.
    Man sollte auch nicht über etwas urteilen, was man nicht kennt. Wir können nur ausprobieren in einer Beziehung, austesten der Grenzen, wie weit man gehen will. Ich denke viele Partnerschaften wären glücklicher, wenn wir auch innerhalb dieser, Toleranz und Offenheit erlernen.

    Vielen Dank, für deine Gedanken, die Du uns offen gezeigt hast.

    Lieben Gruß
    Birgit

    • Hallo Birgit,
      ich denke auch, dass Frauen in dieser Hinsicht mehr Fantasien im Kopf haben als Männer, weil sie wesentlich emotionaler veranlagt sind. Wenn man die Besucherzahlen zu dem besagten Film mal splitten würde, ist der Frauenanteil mit Sicherheit sehr hoch angesiedelt und das ist wiederum ein Zeichen dafür, das sie zumindest mehr Neugier auf neues besitzen, als die Herren der Schöpfung.
      In puncto Toleranz und Offenheit innerhalb einer Beziehung stimme ich dir zu 100 % zu, aber leider sieht es in der Realität nicht so rosig aus, ist aber mal ein sehr guter Ansatz um daran zu arbeiten, man sollte immer alle Möglichkeiten ausschöpfen, um der trauten Zweisamkeit den nötigen Glanz zu verleihen, egal wo die Reise einen auch hinführen mag.
      Was meine Gedanken zu diesem Thema betrifft, kann ich nur sagen, dass ich geistig auch nicht immer so frei war wie heute, ich habe mit Sicherheit, sei es auch unbewusst gewesen, viele Fehler in den vorangegangenen Beziehungen gemacht, aus denen ich einiges gelernt habe. Mittlerweile versuche ich mich in manchen Situationen oder auch zu gewissen Themen, in die Rolle meiner Partnerin zu versetzen, um diese aus ihrer Perspektive zu sehen, was durchaus sehr interessant und hilfreich sein kann.

      Ich danke auch dir für deine offenen Worte und freue mich, das du hier warst.

      LG Uwe

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