[Gedanken]welt, Portfolio
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Lost Homeland

Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, sie liebt mich, sie liebt……. , wer kennt das nicht aus früheren Zeiten, da wo die Welt noch in Ordnung war. Man nehme ein Gänseblümchen und zupfe die einzelnen Blätter ab und das, mit den oben genannten Worten, bis nur noch ein einziges übrig ist, das einem verrät, ob sie dich liebt oder auch nicht, na ja…..die Hoffnung stirbt halt zuletzt. Heute sieht die Nummer einen Tacken anders aus, das Blümchen sagt dir jedenfalls nicht, ob es so ist oder nicht, für diese Info muss man es auch nicht auf so eine grausame Art foltern, Blumen haben doch Gefühle und ihr eigenes Leben, auch wenn das nicht jeder glauben mag, ich für meinen Teil schon und deswegen habe ich auch eine kleine Geschichte zu diesem Bild.

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Es war ein warmer Frühlingstag irgendwann im Hier und Jetzt, als sich das Gänseblümchen auf den Weg machte die Welt zu erkunden, sie träumte immer davon, dass es woanders besser und viel schöner sein könnte, als die Wiese, auf der sie das Licht der Welt erblickte und so machte sie sich ohne Abschied, ganz still und heimlich, einfach davon. Der Weg, voller gefahren und Abenteuer, war nicht das, was sie sich in ihren Träumen ersehnte, aber irgendwo musste es ja sein, das Land, wo Milch und Honig fließt.
Erhobenen Hauptes ging es weiter, vorbei an gigantischen Betonklötzen, an deren Fronten sich riesige Ausbuchtungen mit kalten Stahlkonstrukten befanden, an diesen wiederum gab es vereinzelte Behältnisse aus unnatürlichen Materialien, in denen sich Artgenossen aus der Pflanzenwelt befanden. Das Blümchen neigte voller Trauer sein zartes, gelbes Köpfchen und fing an zu weinen. Wie kann es sein, das meine Freunde in Gefangenschaft gehalten werden, was haben sie nur getan, das sie auf engstem Raum vor sich hinwegetieren müssen, ich kanns nicht begreifen, was ist das nur für eine Welt, das ist nicht das Paradies, von dem die anderen in meiner alten Heimat immer geschwärmt hatten. War es nicht doch vielleicht ein Fehler fortzugehen, dachte sich das Gänseblümchen, zu Hause gab es so was Schreckliches nicht. Es nahm nochmal jeden Mut zusammen und zog weiter, aber die Situation wurde nicht besser, lärmende und stinkende Metallkutschen reihten sich aneinander, in unendlich langen Schlangen, die Luft so dick und grau, das sogar das Atmen schwerfällt, kein Grün weit und breit und von Milch und Honig war auch keine Spur. Ich habe keine Lust mehr auf das gelobte Land, wenn ich dieses grauen sehe, glaube ich nicht mehr daran, dass es etwas Besseres auf dieser Welt gibt, als meine alte Heimatwiese, doch es gab ein riesiges Problem, es hatte sich verlaufen und so wie es aussah, gab es keinen Weg zurück. Ich glaube, ich habe einen riesigen Fehler gemacht, dachte sich das Blümchen, ich hätte besser das behalten sollen, was ich hatte und das war jede menge Sicherheit, ein Haufen Freunde und jede Menge Frieden, ich hatte das Paradies auf Erden und habe vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr gesehen. Kraft und Mutlos, legte sich das Blümchen auf eine Mauer, es hatte aufgegeben und jegliche Hoffnung verloren, konnte nur noch von der verlorenen Heimat träumen, die sie niemals mehr wiedersehen wird.

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Manchmal ist es schon besser, sich auf das zu besinnen, was man hat und nicht nach dem zu streben, was man niemals erreichen kann. Jeder von uns sollte seine Träume haben und auch versuchen diese in die Tat umzusetzen, gar keine Frage, aber nicht zu jeden Preis und schon gar nicht wie in dieser Geschichte, für den Verlust der Heimat.

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